Was steckt hinter Imbolc und wer ist Brigid?

Cú Chulainn hat sich verliebt. Er wirbt um die hübsche Emer, doch Emer ziert sich. Um ihre Hand zu erhalten, muss er sich diversen Herausforderungen stellen, eine davon ist ein ganzes Jahr lang schlaflos zu bleiben (eine andere ist 200 Männer im Kampf zu erschlagen). Um ihm vor Augen zu führen, wie lange er schlaflos bleiben soll, zählt Emer alle Feste auf, die er durchgehend wach erleben muss. Darunter ist auch Imbolc, “wenn die Schafe anfangen, Milch zu geben”.

Cú übersteht das Jahr natürlich, wie auch die anderen Aufgaben, die Emer ihm stellt. Emer gibt ihm nach vielen Abenteuern ihre Zustimmung, doch ihr Vater verweigert sie, daraufhin ermordet Cú ihn und raubt seinen Schatz - nicht gerade das klassische Happy End.

Für uns ist Emers anfängliche Zurückhaltung ein Glücksfall, denn ihr verdanken wir das Wissen um Imbolc. Cús und Emers Geschichte ist nämlich sehr alt, aufgeschrieben wurde sie im Irland des 10. oder 11. Jahrhundert im Tochmarc Emire. Natürlich war Irland zu dieser Zeit schon längst christianisiert, dennoch wählt der Verfasser nicht die christlichen Feste, sondern ihre heidnischen Vorläufer, um die Länge des Jahres zu betonen.

Außer im Tochmarc Emire wird Imbolc noch an mehreren Stellen in der frühen mittelalterlichen gälischen Literatur erwähnt, es scheint sich in der Tat um ein altes Fest zu handeln, das Anfang Februar gefeiert wurde. Leider ist nicht überliefert, wie es begangen und gefeiert wurde.

Auch die genaue Etymologie des Wortes ist unklar. Die bekannteste Erklärung ist, dass es aus dem altirischen kommt und "im Bauch" heißt und damit auf die schwangeren Schafe verweist, die kurz darauf lammen werden. Es gibt eine Vermutung, dass das gälische Wort für Milch auf ein verlorenes indo-europäische Wort für Reinigung zurückgeht, doch das ist nicht nachweisbar - würde aber das Wort in Verbindung mit europäischen Bräuchen auf dem Festland bringen.

Das ist zwar spannend, aber eben nur eine Spekulation. Es gibt keine verlässlichen Nachweise, dass dieses Fest der Inselkelten auch von den keltischen Stämmen auf dem Festland praktiziert wurde. (Wenn du mehr über Insel- und Festlandkelten wissen möchtest, lies hier weiter.

Brigid wird ein besonderes Verhältnis zu Birken nachgesagt.

Brigid - Göttin und Heilige

Dennoch ist der Zeitpunkt Anfang Februar ein besonderer. Denn hier wurde auch der Namenstag der Heiligen Brigid gefeiert. Brigid  ['bʲɾʲiʝidʲ ausgesprochen] war eine Äbtissin die von 453 bis 525 in Irland lebte und später heilig gesprochen wurde. Es gibt zahlreiche Geschichten über sie, die ersten stammen aus der Biographie Vita Sanctae Brigitae aus dem 7. Jahrhundert.

Hinter dieser christlichen Brigid vermuten Forscher*innen eine keltische Göttin.

In der keltischen Folklore ist Brigid die Göttin der Schmiedekunst, der Fruchtbarkeit, der Heilkraft (das verbindet sie mit der Birke) und der Poesie. Gastfreundschaft und Mitgefühl sind Werte, für die Brigid steht.

Viele dieser Attribute wurden auch für die christliche Brigid übernommen. Auch sie ist hilfsbereit und mütterlich, die Hüterin des Herdfeuers und Freundin der Tiere. Sie hatte allerdings auch eine kriegerische Seite und war die Schirmherrin des Heeres von Leinster. Ihr zu Ehren wird bis heute im Kloster von Kildare eine ewige Flamme gehütet.

Der Namenstag der Heiligen Brigid wird am 2. Februar gefeiert, direkt nach Imbolc. Die Nähe ist vermutlich kein Zufall. Imbolc scheint das ältere Fest zu sein. Offensichtlich war es wichtig genug, um später den Namenstag der Heiligen an diesem Datum zu feiern.

Der Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass die Tage Anfang Februar einen wichtigen Zeitpunkt im bäuerlichen Jahr markieren. Denn jetzt verändert sich die Qualität der Zeit. Zwar kann es noch richtig kalt und ungemütlich werden, aber die Tage sind endgültig wieder heller geworden. Die Arbeit auf Hof und Feld konnte wieder beginnen. Im christlichen Jahreskreis markiert das Fest Mariä Lichtmess diesen Wandel, daher auch die Bauernregel: “Maria bläst’s Licht aus, St. Martin zündet es wieder an.”

Das Brigidkreuz

Das Brigid Kreuz

Traditionell wurde und wird in Irland das Brigid Kreuz geflochten und über dem Eingang aufgehängt. Es sollte ein Zeichen für Brigid sein, dass sie in diesem Haus willkommen war und um ihren Segen bitten.

Das Brigidkreuz wird aus Binsen gefertigt. Auch bei uns spielten Binsen früher eine große Rolle, man denke nur an Sprichwörter wie "Binsenweisheit" oder "in die Binsen gehen". Hierzulande wurde nicht nur das Brigidskreuz, sondern auch Körbe daraus geflochten.

Wenn du selbst ein Brigidkreuz anfertigen möchtest: Du findest Binsen auf Feuchtwiesen und in Mooren. Bitte denke daran, immer achtsam zu ernten. Solltest du keine Binsen finden, kannst du Stroh nehmen - auch das ist Tradition. Früher wurde dafür die letzte Garbe der Ernte verwendet - im ewigen Kreislauf des Lebens war so aus dem Vergangenen des Herbstes das neue Licht des Frühlings geworden.

Eine Anleitung dafür findest du zum Beispiel hier.


Soweit zu den keltischen Traditionen, die Anfang Februar gefeiert werden. In England und in großen Teilen Mitteleuropas gibt es wie gesagt noch weitere Bräuche zu Mariä Lichtmess (bzw. Mariä Reinigung), auch diese haben pagane Ursprünge. Mehr zu diesen Traditionen erfahrt ihr in meinem Buch, das im September 2026 erscheint.

Ich wünsche dir viel Freude in diesen ersten hellen Tagen.

Herzlich,

Kathrin

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Alle Fotos: Franzi Schädel

Quellen:

Jennie Appel und Dirk Grosser, Brigid. Darmstadt 2017.

Ronald Hutton, The Stations of the Sun. A History of the Ritual Year in Britain. Oxford 1997.

Eleanor Parker, Winters in the World. A Journey through the Anglo-Saxon Year. London 2022.

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Wer waren die Kelten?